A Tribute to Kenny Napper – FAZ

Artikel aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2010

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“JUGEND SWINGT”
HESSENS JAZZORCHESTER UNTER ENGLISCHER FUCHTEL

Das Landes Jugend Jazz Orchester Hessen ist eine deutsche Erfolgsgeschichte ersten Ranges. Fünfundzwanzig Jahre besteht es jetzt, gegründet, geleitet, hoch gehalten, durch bürokratische und organisatorische Irrgärten gesteuert und künstlerisch herausgefordert von einem einzigen Mann: Wolfgang Diefenbach. Gereist ist er mit dieser Bigband in alle fünf Kontinente, mehr als tausend junge Musiker sind auf ihrem Weg ins Berufsleben durch die “Hessische Landjugend” gewandert, eine ihrer Produktionen hat den Preis der Deutschen Schallplattenkritik gewonnen. Diefenbach ist ein unermüdlicher Partiturenbeschaffer, lädt die Besten der Welt als Gastsolisten ein (etwa Randy Brecker, Nat Adderley, Albert Mangelsdorff oder Herb Geller), und die spüren sein pädagogisches Ziel: die Schaffung angstfreien Selbstvertrauens, einer spielerischen Freude des Abhebens auf eine Wolke 7 der Begeisterung, auf der er auch selbst über den Niederungen alltäglicher Stresssituationen dahinfliegt.

Nun, zur Vierteljahrhundertfeier, erscheint selbstverständlich wieder eine CD, insgesamt die neunte. Diefenbach hat für diesen Zweck einen prominenten Routinier als Arrangeur und Komponist gewonnen, den jetzt in Holland lebenden Engländer Kenny Napper, der das Orchester mit feinstem Bigband-Mainstream fordert. Klanglich diffizile Stimmungen, himmelstürmende Trompetenspitzen, rasender Swing, massive Blockakkorde und verschlungene Kontrapunkte — es ist alles da, die Unterschiede zu den professionellen Bigbands sind weggeschliffen, die zu den ganz großen marginal.

Bedeutende Solisten gibt es bei so einer Jubiläumsausgabe natürlich auch wieder: die Sängerin Madeline Bell, der Posaunist Jiggs Whigham und die beiden von Kenny Napper gewünschten, weil vertrauten Holländer Ferdinand Povel (Tenorsaxophon) und Jan Wessels (Trompete). Neben vier Napper-Kompositionen werden hauptsächlich Evergreens gespielt wie “My Shining Hour”, “My Foolish Heart” und “Sweet Georgia Brown”.

Die Vernetzung des vom Amt für Wissenschaft und Kunst der hessischen Landesregierung subventionierten, aber auch vom Goethe-Institut und den jeweiligen Veranstaltern bezahlten Orchesters mit der professionellen Welt mag diese Episode veranschaulichen: Beim diesjährigen Rheingau Musik Festival empfing die Band als Gäste die weltbekannte Gesangsgruppe New York Voices, die eigentlich nur mit ihrer eigenen Rhythmusgruppe auftritt.

Vom Schlagzeuger der jungen Hessen, Thomas Sauerborn, waren die vier Sänger und Sängerinnen so begeistert, dass sie ihn gleich nach Amerika einluden. Der ist weitläufig verwandt mit einem Schüler von Diefenbach, dem Altsaxophonisten Heinz-Dieter Sauerborn, inzwischen längst Mitglied der hr-Bigband.

ULRICH OLSHAUSEN.

Landes Jugend Jazz Orchester Hessen, A Tribute To Kenny Napper.
Mons Records 874501 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2010, Nr. 299, S. 28

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